Mein Sportprogramm 2023 hat noch einmal richtig Fahrt aufgenommen
Ende August startete ich bei der Weltmeisterschaft über die „halbe Ironmandistanz“ im finnischen Lahti. Nach einem 1,9 Kilometer langen Schwimmen im glasklaren See ging es für mich auf die 90 Kilometer lange Radstrecke, dabei waren 850 Höhenmeter, Dauerregen und 14 Grad Aussen-temperatur eine besondere Herausforderung. Der abschließende Halbmarathon zog sich für mich dann schon etwas hin.
Nach dem erfolgreichen Zieleinlauf konnte ich dann aber nur kurz mit Freunden und den Sportkollegen aus 115 Nationen feiern. Es musste schnell wieder das sportliche Equipment eingepackt werden und nach einem kurzen Zwischenstopp im heimischen Fleestedt ging es bereits einige Tage später nach Nizza.
Dort fanden in diesem Jahr erstmals die Weltmeisterschaften für die Männer über die klassische Ironmandistanz (3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren, 42 km Laufen) statt, Frankreich statt Hawaii.
Die Woche vor dem Wettkampf nutzte ich für die Regeneration, letzte Trainingseinheiten, die Akklimatisierung und um die Wettkampfstrecken kennenzulernen. Dabei blieb mir das morgendliche Schwimmtraining mit einer Vielzahl von weiteren Athleten bei Sonnenaufgang in besonderer Erinnerung: „25 Grad Wassertemperatur, fast keine Wellen und eine ruhige, fast mystische Atmosphäre“. Lediglich der hohe Salzgehalt des Meeres war dann doch ziemlich gewöhnungsbedürftig.
Am Wettkampfmorgen war es dann mit der Ruhe am Schwimmstart vorbei. Tausende Zuschauer säumten das Ufer, Bengalos wurden entzündet und nach dem Start der Profis (u.a. mit den deutschen Top Athleten Jan Frodeno und Patrick Lange) ging es für die Altersklassenathleten in mehreren Startwellen auf die insgesamt 226 Kilometer lange Reise.
Ich konnte das Schwimmen richtig genießen, aufgrund der hohen Wassertemperatur wurde ohne Neoprenanzug geschwommen. Nach dem Schwimmausstieg griffen alle Sportler erstmal zu den bereitstehenden Sonnenschutzprodukten, versprach die Wettervorhersage doch 14 Stunden Sonnenschein und Temperaturen um 30 Grad . Es folgte die 180 Kilometer lange, harte, sehr harte Radstrecke durch die französischen Seealpen. Dabei mussten fast 2500 Höhenmeter bewältigt werden, inklusive eines 19 Kilometer langen Anstiegs auf fast 1200 Meter Höhe. „Das war schon eine beachtliche Herausforderung, 10 Liter habe ich bestimmt auf der Radstrecke getrunken“.
Auf die Laufstrecke an der Promenade des Anglais in Nizza ging es dann bei 30 Grad und ohne Schatten. Weil ich bekanntlich im Vorfeld der Wettkämpfe mit Verletzungsproblemen zu kämpfen hatte, wurde das Laufen erwartungsgemäß sehr zäh. Allerdings standen entlang der gesamten Laufstrecke unzählige Zuschauer, Freunde, Supporter, Sportkollegen, die mich immer wieder angefeuert und motiviert haben. Es war eine unglaubliche Stimmung, „an eine vorzeitige Beendigung des Rennens dachte ich jedenfalls, trotz der hohen Belastung zu keinem Zeitpunkt“.
„Ich hatte mir keine persönliche Bestzeit vorgenommen, mein Ziel war, nach 2015 auf Hawaii, nun auch bei dieser Weltmeisterschaft zu finishen. Das habe ich erreicht , dafür bin ich dort hingereist“.Emotional wurde es dann nach dem eigenen Zieleinlauf und der ersten schnellen Erholung. Traditionell gehen fast alle Sportler dann in Richtung der Ziellinie, um die letzten Athleten anzufeuern und in Richtung Ziel zu begleiten. Bei fast 2200 gestarteten Athleten aus über 90 Nationen entsteht eine besondere Atmosphäre, wenn gemeinsam gefeiert wird. Die letzten Finishermedaillen werden dabei von den siegreichen Profis ausgehändigt, dass gibt es im Sport so nirgendwo anders.
Nach der Rückkehr aus Frankreich ist jetzt zunächst mal komplette Regeneration angesagt, die Erkenntnis bleibt: „Der Körper ist, wenn man richtig mit ihm umgeht, eine wirkliche Maschine“.
Matthias Elwart
